Vor 50 Jahren erschossen Einsatzkräfte des Ministeriums für Staatssicherheit Michael Gartenschläger am Großen Grenzknick Wendisch Lieps.
Der Tod von Michael Gartenschläger in der Nacht zum 1. Mai 1976 war der schwerste Grenzzwischenfall im nördlichen Abschnitt der innerdeutschen Grenze nach 1961.
Gartenschläger wurde 1944 in Strausberg, östlich von Berlin geboren. Sein Vater betrieb eine Gastwirtschaft. Gartenschläger und seine Freunde hörten Rock’n’Roll Musik und besuchten häufig Westberlin. Als ihnen am 13. August der Weg nach Westberlin versperrt wurde, protestierten sie mit Losungen und zündeten eine Scheune an. Wenig später wurden sie von der Stasi verhaftet und in einem Schauprozess zu langjährigen Zuchthausstrafen verurteilt. Die Hauptangeklagten Michael Gartenschläger und Gerd Resag erhielten lebenslänglich.
Fast 10 Jahre blieben Gartenschläger und Resag in den Gefängnissen Torgau und Brandenburg eingesperrt. In der Haft wandeln sie sich von jugendlichen Rebellen zu überzeugten Gegnern der SED-Diktatur.
1971 wurden beide von der Bundesrepublik freigekauft. In Hamburg begannen sie ein neues Leben. Michael Gartenschläger ließen die politischen Verhältnisse in der DDR jedoch nicht los. Obwohl er nicht in die DDR einreisen durfte, hielt er engen Kontakt mit seiner Verwandtschaft im Osten. Er schleust Menschen aus der DDR in den Westen und will die Gewalt an der innerdeutschen Grenze öffentlich machen. Zwei Mal holt er Splitterminen vom DDR-Grenzzaun. „Der Spiegel“ berichtete darüber. Beim dritten Versuch in der Nacht zum 1. Mai wurde er erschossen.
Veranstaltungen
30. April, 15.00 Uhr, Grenzhus Schlagsdorf, Café Grenzstein
„Aufbegehren gegen Diktatur und Grenze: Michael Gartenschläger vor 50 Jahren erschossen“
Burhard Bley (Landesbeauftragter M-V für die Aufarbeitung der SED-Diktatur) und Evelyn Zupke (Bundesbeauftragte für die Opfer der SED-Diktatur) – Grußworte
Lilly Radtke, Lotte Weiß, Frida Teske und Emma Schwedas (Gymnasium Wentorf) – Vorstellung eines Podcasts über Michael Gartenschläger
Podiumsdiskussion mit Gerlinde Haker (Schöffin im Prozess gegen die Todesschützen), Thomas Köckeritz (Neffe von Michael Gartenschläger), Wolfgang Wiese (Freundeskreis Michael Gartenschläger), Dieter Schmidt (ehemaliger Grenzzollbeamter im Abschnitt Büchen)
Dr. Andreas Wagner – Einführung in die Ausstellung „DDR-Jugendopposition/ Das Schicksal Michael Gartenschlägers“
Anmeldung unter Tel.: 0385/ 734006 oder Mail: tagung@lamv.mv-regierung.de
1. Mai, 12.00 Uhr, Gartenschläger-Eck, Landstraße zwischen Bröthen und Langenlehsten
Gedenken am Kreuz für Michael Gartenschläger. An dieser Stelle wurde er vor 50 Jahren von einem Spezialkommando der DDR-Staatssicherheit erschossen.
Birgit Hesse, Präsidentin des Landtages Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Christoph Mager, Landrat des Kreises Herzogtum Lauenburg, Burkhard Bley, Landesbeauftragter M-V für die Aufarbeitung der SED-Diktatur und Vertreter des Vorstandes der Vereinigung der Opfer des Stalinismus e. V. sprechen zum Gedenken.
Musikalische Begleitung: Elena Lavrenteev (Lübeck).
29. Mai, 19.00 Uhr, Grenzhus Schlagsdorf
Vortrag und Diskussion: Dr. Hans-Joachim Staadt (FU Berlin), „Die Splittermine SM 70 am DDR-Grenzzaun. Produktentwicklung, politisch Verantwortliche und Opfer der Selbstschussanlagen“. Dr. Staadt ist ein ausgewiesener Kenner der DDR-Geschichte und insbesondere der Grenzgeschichte. Er hat gemeinsam mit Prof. Klaus Schröder das Forschungsprojekt zu den Todesopfern an der innerdeutschen Grenze koordiniert und umgesetzt.
Anmeldung: Grenzhus Schlagsdorf, Tel.: 038875/ 20326 oder Mail: infor@grenzhus.de



