Zur Erinnerung an das Barber-Lyaschtschenko-Abkommen vor 75 Jahren entstand eine Wanderausstellung, die nach Aufhebung der Corona-Einschränkungen im GRENZHUS gezeigt wird.

Die Ämter Rehna, Gadebusch, Zarrentin und Lauenburgische Seen, koordiniert durch die Stadt Gadebusch, verantworten ein Projekt zur Erinnerung an den Gebietsaustausch. So wurden in den beteiligten Dörfern Stelen mit Informationen zum Gebietsaustausch aufgestellt. In Kooperation mit dem GRENZHUS Schlagsdorf entstand eine Wanderausstellung, die einen Überblick zu dem Ereignis und seinen Folgen gibt. Die Ausstellung wird wahrscheinlich ab Dezember 2020 im GRENZHUS öffentlich zugänglich sein. Die Ausstellung wird später in Ratzeburg, Zarrentin und Gadebusch zu sehen sein.

Der Gebietsaustausch: Die Verhandlungspartner definierten drei Austauschgebiete: Das Gebiet X umfasste die Gemeinden Römnitz, Bäk, Mechow und Ziethen. Das Gebiet übergaben die Sowjets an die Briten. Die Gebiete A und B östlich vom Schaalsee mit den Gemeinden Dechow, Thurow und Lassahn wechselten von der britischen zur sowjetischen Besatzungszone. Bis zum 28. November war der Gebietsaustausch abgeschlossen. Die britische Besatzungsmacht bot den Einwohnern in den Gebieten A und B an, in die britische Besatzungszone zu wechseln. Wer zurückbleiben wollte, musste jedoch Vieh, Getreide und landwirtschaftliche Geräte abgeben. Letztlich verließen über 80 Prozent aller Einwohner ihre Dörfer. Anders im Gebiet X. Die Rote Armee informierte die Einwohner nicht über den Wechsel. Nahezu alle Einwohner blieben in den Dörfern dieses Gebietes und waren auch erleichtert über den Abzug der Sowjets.
Die Folgen des Gebietsaustausches hielten lange an. Menschen ließen ihr Eigentum zurück, Bodenreformland wechselte von der sowjetischen in die britische Besatzungszone, Kirchengemeinden fanden sich von ihren Landeskirchen getrennt. Während die alten Einwohner ihre lauenburgischen Dörfer östlich vom Schaalsee verließen, fanden Flüchtlinge und Vertriebene in den leergezogenen Dörfern eine neue Heimat. Nach fast 45 Jahren stellte sich 1990 die Frage, wie mit diesen Veränderungen umzugehen sei.

Die Zeitzeugen: Im Zusammenhang mit dem Ausstellungsprojekt wurden auch Zeitzeugen befragt. Einer davon ist Jochen Friedrich, geb. 1931 in Schlesien. Am Ende der Flucht zieht die Familie am 2. Januar 1946 nach Hakendorf in ein leerstehendes Haus. Dort beginnt sie sich eine neue Existenz aufzubauen. Die Verhältnisse sind nicht einfach. Jeden Tag muss ein Pferdefuhrwerk die Milch aus dem Dorf in die Molkerei nach Zarrentin bringen. Das sind fast 30 Kilometer schlechte Wege, Schmiede zum Beschlage der Pferdehufe und zum Ausbessern der Technik fehlen. Im Dorf ist eine Gruppe sowjetischer Soldaten stationiert, um die Demarkationslinie zu überwachen. Die Russen fordern für sich viele Fahrten mit dem Fuhrwerk der Familie. 1960 gibt die Familie die Siedlung auf. In den 1970er Jahren fällt das Haus der Grenzsicherung zum Opfer. Heute sind nur noch die Fundamentreste erkennbar.

Foto: ©sol – Jochen Friedrich, Andreas Wagner, Hakendorf am Schaalsee